Hallo liebe Leser_Innen,
heute möchte ich berichten, dass wir die neue Canon EOS R6 testen. Damit haben wir neben der Canon EOS 500D, Canon EOS 700D, Canon EOS 7D und Canon EOS 5D Mark IV das erste mal eine spiegellose Systemkamera im Vollformat mit dem neuen RF-Bajonett.

Canon EF Objektive per Adapter

Nichts desto trotz bleiben unsere zahlreichen, hochwertigen EF Objektive natürlich kompatibel: Denn den Adapter von Canon RF zu Canon EF haben wir gleich mitbestellt. Canon bietet gleich drei Objektivadapter:

  • Die Standardausführung
  • Objektivadapter mit Steuerungsring EF-EOS R
  • Bajonettadapter mit Einsteckfiltern
    • Neutraldichte
    • Zirkularpolfilter
    • klarer Filter

Gerade letzteres scheint attraktiv, da wir so für quasi jedes unserer 10 Objektive die Möglichkeit erhalten, einen Filter zu nutzen. Wir haben Objektive mit den Filtergrößen 67mm, 77mm, 95mm und 105mm und müssten so gleich immer vier Filter kaufen, was jetzt in einem möglich ist. Für unseren 105mm ND8-Filter für das Sigma 105mm f1.4 Art haben wir sage und schreibe alleine schon über 150€ hingeblättert. Unser Canon Fisheye und unser Sigma 12-24mm Ultraweitwinkel haben gar nicht erst die Möglichkeit zur Befestigung eines regulären Filters zum Aufschrauben. Die Vorteile sind also eindeutig gegeben.

Leider war keiner der drei Adapter aktuell lieferbar, sodass wir auf die oben genannte sinnvolle Alternative verzichten mussten und mit dem Drittanbieter Meike zufrieden sein mussten. Es wird sich herausstellen, ob dies eine gute Idee war, aber wir hatten ja quasi keine Wahl. In einem solch sensiblen Bereich, der die Performance all unserer Objektive beeinflusst, hätten wir lieber auf ein Canon Original gesetzt.

Was versprechen wir uns?

Live: Beurteilung der Belichtung

Zum Einen möchte ich mich gerne mal von den Beurteilungsmöglichkeiten eines im Sucher integrierten Bildschirms überzeugen lassen. Ich habe die gewisse Hoffnung, dass sich die Belichtung dank der Live-Simulation besser beurteilen lässt. So sind Über- und Unterbelichtungen vermutlich schon im Sucher zu erkennen. Bei DSLRs muss man sich bekanntermaßen auf die Belichtungsmessung und auf sein (hoffentlich) wirklich gutes Vorstellungsvermögen verlassen. Denn wie wir wir wissen, sehen Menschen Licht nur linear, sondern logarithmisch (siehe Bild unten). Der Bildsensor arbeitet jedoch linear. So kommt es, dass gerade wenig erfahrene Fotografen Überbelichtungen und Unterbelichtungen mit einer DSLR erzeugen, denn “man hat ja gar nicht gesehen, dass das so hell war”. Auf dem kleinen Bildschirm einer Spiegellosen sehen wir hingegen, was sich tatsächlich auf dem Sensor tut!

Logarithmisches Sehverhalten von Helligkeit (blau) VERSUS Lineares Verhalten eines Bildsensors

Besserer Autofokus

Früher war der so genannte Kontrast-Autofokus von Kompaktkameras ein bekanntes Manko: Viel zu langsam, am hin-und-her pumpen, Fehleranfällig in bestimmten Aufnahmesituationen. Hier haben die DSLRs mit ihrem Phasen-Autofokus, gerade in Verbindung mit Ultraschallmotoren in den Objektiven, ihren klaren Siegeszug gehabt. Sie sind nicht immer so treffgenau wie ein Kontrastautofokus, aber rasend schnell. Der Grund dafür ist, dass sie einerseits wissen in welche Richtung sie scharf stellen müssen und anderseits eine (gute) Abschätzung für die Distanz eines Objekts haben. So bewegt sich der Fokusmotor schnell in die richtige Richtung und weiß meistens auch, wo er zu stoppen hat. Leider liegt er dabei gelegentlich mal falsch und zwar häufiger als der langsame Kontrastautofokus. Das muss man für die Vorteile in Kauf nehmen.

Inzwischen sieht es aber ganz anders aus: Canon, und auch andere Hersteller, haben es mit einer speziellen Technologie geschafft einen Phasenautofokus auf dem Bildsensor zu simulieren. So können Vorteile von Phasenautofokus und Kontrastautofokus kombiniert werden. Es sind sogar noch komplexere Algorithmen möglich, die es mittlerweile geschafft haben, das Fokussieren auf dem Bildsensor sowohl Blitzschnell als auch präzise zu machen. Das kann auch schon die Canon EOS 5D Mark IV, aber eben nur im Live-View. Letzteres gilt natürlich eher nicht als die professionelle Art der Fotografie und kommt nur in Ausnahmesituationen zum Einsatz.

Bessere Hit-Rate von Sigma Objektiven

Ganz im Speziellen möchte ich die Probleme beim Autofokus her mit Sigma benennen: Die Hit-Rate meines Sigma 24mm Art, Sigma 50mm Art und Sigma 105mm Art sind eher schlecht als recht. Immer wieder habe ich mit falschem Fokus zu kämpfen. Versteht mich nicht falsch: Die Objektive sind echt toll und haben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und wenn sie dann treffen, liefern sie eine hervorragende Schärfe und ein super Bokeh. Auch die Verarbeitungsqualität ist hervorragend. Doch: Wenn ich beispielsweise Gruppenfotos mit meinem Sigma 50mm Art auf Blende f1.4 mache, dann drücke ich doch lieber fünf bis zehn mal ab, weil immer Ausschuss dabei ist (bei gleichem Fokuspunkt). Es fällt jedoch auf: Im Live-View passiert das nicht! Also haben sich Phasenautofokus und Sigma Objektive wohl etwas in den Köpfen. In schnell vergänglichen Situationen ist das ein echtes Manko. Denn wenn ich den schnellen Kuss bei der Besiegelung der Trauung fotografiere, dann darf das Foto einfach nicht unscharf sein. Es wird von mir erwartet, dass ich diesen Moment einfange. Da kann ich nicht argumentieren: “Aber die Technik! Da kann ich doch nichts für”. Nun fokussiert die neue Canon R6 ja auf dem Sensor und so habe ich die begründete Hoffnung, dass meine Sigma Objektive einfach zuverlässiger werden. Drückt mir die Daumen. Ich werde euch bei Zeiten berichten, ob dieser fromme Wunsch tatsächlich in Erfüllung gegangen ist.

Gesichtserkennung und Augen scharf stellen

In manchen Situationen geht es einfach so schnell, da kann man mit dem Punktautofokus versuchen schnell auf die Augen zu kommen, aber dann ist die Situation doch wieder vorbei. Um hier sicher zu gehen, nehme ich meist lieber ein Objektiv mit ein bisschen weniger Tele und/oder blende einfach ab, um die Schärfentiefe hoch zu bekommen. Denn manchmal ist es wichtiger, dass eine Situation eingefangen ist, als dass das Bokeh zart schmelzend ist und/oder das Rauschen gering gehalten wird. Für die Canon EOS R6 habe ich die Hoffnung, dass die künstliche Intelligenz das Problem wuppen wird und ich in Zukunft weniger Kompromisse eingehen muss. Das war es an dieser Stelle, aber auch das ist nicht außer Acht zu lassen.

EOS R5 versus R6 versus 5D Mark IV

Dann wäre natürlich noch die Canon EOS R5 in Frage gekommen. Ein Wehmutstropfen beim Vergleich von der Mark IV zur R6 ist natürlich, dass ich bzgl. Auflösung von 30 MP auf 20 MP sinke, während die R5 mit 45 MP auftrumpfen kann. Dafür kostet die R5 aber auch um die 2630€ und die R6 um die 4385€. Letzteres ist für einen nebenberuflichen Fotografen natürlich schon harter Tobak, da sich das erst mal refinanzieren muss. Beim Verkauf der 5D Mark IV und Kauf der R6 halten sich die Zusatzinvestitionen ja noch stark in Grenzen.

Was neben den 45 MP sonst noch für die R5 sprechen würde, wäre ein Korpus, der vollständig aus Magnesium gefertigt ist, der mit 1.620.000 versus 2.100.000 Bildpunkten etwas größere und höher auflösende Bildschirm und vor allem der mit 3.690.000 vs 5.760.000 Bildpunkten höher Auflösende Sucher. Die bessere Videofunktionalitäten der R5 punkten bei mir nicht, da ich diese schlicht nicht benötige. Bezüglich des Autofokus sind sich R5 und R6 ebenbürtig. Die Serienbildraten sind auch gleich.

Zusammengefasst gibt es folglich nur zwei wesentliche Gründe die R5 zu kaufen: Die höhere Bildauflösung und die höhere Sucherauflösung. Der Preisaufschlag von über 50% scheint hier schon etwas überzogen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Überblick

EOS REOS R5EOS R6EOS 5D Mk IV
Preis1.945 €4.385 €2.630 €2.479 €
TypDLSMDSLMDSLMDSLR
Erschienen10/201807/202007/202009/2016
BajonettRFRFRFEF
Auflösung30,1 MP45,0 MP20,1 MP30,4 MP
Sucher0.76x0.76x0.76x0.71x
Suchertypelektrischelektrischelektrischoptisch
Sucherauflösung3.690.0005.760.0003.690.000
Bildschrim2.100.0002.100.0001.620.0001.620.000
ProzessorDigic 8Digic XDigic XDigic 6+
AF-Punkte56551053105361
Serienbildrate8fps20fps20fps7fps

Fazit

Noch mal zusammengefasst: Ich erhoffe mir eine bessere Belichtungsbeurteilung, einen besseren Autofokus, eine höhere Hitrate bei meinen Sigma Objektiven und Vorteile bei schnell vergänglichen Situationen durch die Gesichtserkennung. Das sind so weit meine großen Hoffnungen an diese Kamera. Ob sich das erfüllt? Ich werde es euch wissen lassen!

Titelbild CC BY-SA 4.0, GodeNehler